5. – 13. Schuljahr

Till Bruckermann

Interaktive Whiteboards

Worauf es beim Einsatz im Biologieunterricht ankommt

Interaktive Whiteboards (IWB) beinhalten schon im Namen das Versprechen, Interaktionen zu ermöglichen. Außerdem sollen sie die Kollaboration fördern und Lehrpersonen die Unterrichtsvorbereitung erleichtern. Auch deshalb sind IWB in deutschen Schulen verbreitet, zum Beispiel in Schleswig-Holstein in 57% der Schulen (IQSH 2016). Vor allem stehen IWB aber beispielhaft für die digitale Transformation des Klassenzimmers, indem die Funktionalitäten der klassischen Tafel ersetzt, erweitert, verändert oder sogar neu belegt werden (SAMR-Modell; Puentedura 2006). Ob das IWB in der Unterrichtspraxis entweder als Tafel- bzw. Beamer-Ersatz dient oder neue Aufgaben ermöglicht, hängt von dem Wissen und den Fähigkeiten der Lehrperson ab (UB 431, S. 4648; Sieve 2015).
Technische Aspekte der Nutzung
Das IWB umfasst eine berührungsempfindliche, große, weiße Oberfläche, die mit einem Computer/Laptop sowie einem Projektor verbunden ist und eine spezielle Software verwendet. Die Größe der sichtbaren Schreibfläche bei IWB fällt dabei kleiner aus als bei Kreidetafeln. Es muss geprüft werden, wie stark und wie lange ein Unterrichtsraum verdunkelt wird, damit die Projektion am IWB sichtbar ist.
Weitere Ausführungen über die technischen Aspekte der IWB-Nutzung wurden an weiteren Stellen berichtet und auch kritisch diskutiert: IWB-Typen sowie ihre technischen Merkmale werden im Sonderprodukt des Friedrich Verlags „Interaktive Whiteboards im Unterricht richtig einsetzen (König/Bernsen/Gros 2014) beschrieben und passende Werkzeuge in Unterricht Physik 151 (S. 811) erläutert. Inwiefern das IWB auch durch die Kombination von Tablet oder Laptop und Beamer (kostengünstig) ersetzt werden kann, wird in Biologie 510 (Nr. 19/2017, S. 1821) erklärt.
Einsatzszenarien für das IWB
Aus der Literatur wird deutlich, dass IWBs aus (1) organisatorischen Gründen, (2) für Visualisierungen, Animationen und Simulationen und (3) für interaktive Lernsettings genutzt werden können. Dabei erfolgt insbesondere die organisatorische Nutzung des IWB auf der Ebene der Erweiterung bisheriger Funktionen, indem der Tafelanschrieb durch Schrifterkennung besser lesbar, farbig und durch digitale Dateiformate längerfristig gespeichert wird. Die Möglichkeit, Simulationen auf dem IWB darzustellen, verändert die Nutzung einer „analogen Repräsentation (z.B. als Diagramm auf einem Arbeitsblatt), da ein dynamischer Eingriff in das System durch Lerperson und Lernende möglich ist.
Allerdings ist es mit der Darstellung einer Simulation auf dem IWB nicht getan − ähnliches wäre auch mit Laptop und Beamer möglich. Damit Simulationen auf dem IWB lernförderlich werden, müssen sie von der Lehrperson in die Darstellung des Unterrichtsgegenstandes am IWB integriert werden. In den nachfolgenden Absätzen werden die beschriebenen Einsatzszenarien systematisiert, indem sie in ein Modell eingeordnet und Effekte auf das Lernen beschrieben werden.
Potenziale und Versprechen des IWB-Einsatzes
Die Digitalisierung des Unterrichts lässt sich als Transformation beschreiben. Diese Transformation umfasst solche Prozesse, in denen die Funktionen analoger Medien (hier die klassische Tafel) ersetzt, erweitert, verändert oder neu belegt werden (UB 429, S.4647: SAMR-Modell; Puentedura 2006). Ein Überblick der Funktionsveränderung durch IWB bietet die Tabelle 1 .
Interessanterweise wird die Entwicklung von Wissen und Fähigkeiten bei Lehrpersonen zur Nutzung des IWB in vergleichbaren Stufen beschrieben, indem Lehrpersonen zunächst ihnen bekannte Funktionen der Tafel auf dem IWB ausführen und erst mit fortschreitender Kompetenz neue Lernkonzepte entwickeln, die mit der Kreidetafel nicht möglich waren (Übersicht in Sieve 2015). Daraus ist allerdings nicht zu schließen, dass fähige Lehrpersonen ausschließlich neuartige Lernkonzepte entwickeln: Vielmehr setzen sie die Funktionen des IWB der...

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