5. – 10. Schuljahr

Angelika Wolfrum/Martin Remmele

„Food Chair globale Verteilung endlich verständlich!

Zahlenverhältnisse und Verteilung von Weltbevölkerung und Ressourcen spielerisch erfassen

Wie lassen sich komplexe globale Sachverhalte, wie der Anteil der Übergewichtigen an der Weltbevölkerung oder der Wasserverbrauch in den einzelnen Kontinenten, für SchülerInnen einfach darstellen? Das Spiel „Food Chair ermöglicht, Zahlenverhältnisse wie Weltbevölkerung, Hungernde, Übergewichtige sowie die Verteilung von Ressourcen auf unserem Kontinent im Klassenzimmer greifbar zu machen.

Welternährung in Zahlen
Heute leben auf der Welt 7,6 Milliarden Menschen. Diese Zahl steigt jedes Jahr um etwa 80 Millionen (DESA 2017). All diese Menschen müssen sich ernähren, doch nicht alle haben den gleichen Zugang zu Lebensmitteln. Im Jahr 2015 hungerten weltweit knapp 800 Millionen Menschen. Die Zahl der Hungernden war lange rückläufig, stieg aber seit 2016 wieder leicht an auf zuletzt 815 Millionen im Jahr 2017. 98% der hungernden Menschen leben in den sogenannten Entwicklungsländern, wobei deren Anteil an der Gesamtbevölkerung mit 20% in Afrika am höchsten ist (WFP 2018). Einen wichtigen Einfluss auf diese negative Entwicklung haben unter anderem kriegerische Auseinandersetzungen in den betreffenden Regionen (FAO/IFAD/ UNICEF/WFP/WHO 2017). Doch auch Lebensmittelspekulationen und die zunehmende Nutzung von Agrartreibstoffen spielen eine Rolle. Für 50 L Bioethanol müssen 358 kg Mais verbrannt werden. In Ländern, in denen Mais das Grundnahrungsmittel ist, kann sich ein Kind von der gleichen Menge ein Jahr lang ernähren (Ziegler/van Laak 2009).
Wenn immer mehr Menschen immer mehr Nahrungsmittel benötigen, sind vor allem zwei Ressourcen dringend notwendig und werden dabei immer knapper: Land und Wasser. Beim Landverbrauch denken viele Menschen an die lokale Landwirtschaft und blenden dabei globale Handelsbeziehungen aus. Insbesondere Europa ist im Bereich der Nahrungsmittelproduktion wie kein anderer Kontinent abhängig von Land außerhalb seiner Grenzen, was sich in hohen Importzahlen wiederspiegelt. 640 Millionen Hektar Land werden in Europa jährlich gebraucht, das entspricht dem 1,5-fachen der Fläche aller 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zusammen. Dabei liegt der Flächenverbrauch mit 1,3 Hektar pro Person im Jahr in der EU deutlich über den 0,2 Hektar pro Person, die jedem Menschen zustehen würden, wenn man den Boden zu gleichen Teilen an die Weltbevölkerung verteilen würde (Rodrigo 2015). Der hohe Flächenverbrauch steht dabei in engem Verhältnis mit dem Fleischkonsum in den sogenannten Industrieländern und der damit verbundenen Futtermittelproduktion (Von Witzke/Noleppa/Zhirkova 2011).
Auch der Wassergebrauch für die weltweite Lebensmittelproduktion ist enorm. Jährlich werden gut 4000km3 Frischwasser entnommen, wovon allein 70% auf den Agrarsektor entfallen (Bundeszentrale für politische Bildung 2017). Weltweit haben gut 2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, was bedeutet, dass sie keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, das frei von Verunreinigungen ist. 844 Millionen Menschen fehlt sogar der Zugang zu elementarer Wasserversorgung. Für sie ist die nächste geschützte Trinkwasserquelle mehr als eine halbe Stunde entfernt. Immer noch trinken 159 Millionen Menschen unbehandeltes Wasser aus Oberflächengewässern (UNICEF Schweiz 2017). Bei Wasserknappheit genügt es nicht, ausschließlich die Entnahme von Frischwasser zu betrachten, sondern auch Wasserverschmutzung sollte Beachtung finden. Diesem Ansatz folgt das Konzept des „virtuellen Wassers und dem „Wasserfußabdruck. In jedem Produkt und jeder Dienstleistung steckt Wasser, das für die Produktion und Bereitstellung notwendig war. Der durchschnittliche Wasserfußabdruck auf der Welt liegt bei 1385 m3 pro Jahr pro Person, in den USA jedoch zum Beispiel bei 2842 m3 pro Jahr pro Person (Hoekstra/Mekonnen 2012).
Zahlen greifbar machen
Die...

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