10. – 13. Schuljahr

Mathias Trauschke

Fleischverzehr auf dem Prüfstand

Nahrungsmittelproduktion energetisch analysieren

Tierzucht und Fleischproduktion sind energetisch betrachtet ineffizient! Mithilfe von Energiefluss-Diagrammen lässt sich veranschaulichen, dass eine direkte Nutzung von Ernteerzeugnissen für die Herstellung pflanzlicher Nahrungsmittel eine nachhaltige globale Nahrungsversorgung gewährleisten kann. Das stellt den Verzehr von Fleisch auf den Prüfstand.

Gegenwärtig leiden weltweit etwa 800 Millionen Menschen an Unter- und zwei Milliarden Menschen an Mangelernährung. Bedingt durch das globale Bevölkerungswachstum (Abb. 1 ), wird sich die Hungerproblematik in Entwicklungsländern verschärfen (Cassidy/West/Gerber/Foley 2013). In Industrienationen stellt sich hingegen ein anderes Problem. Nahrungsmittel stehen zwar zumeist im Überfluss zur Verfügung, deren Produktion beruht jedoch in beträchtlichem Maße auf dem Verbrauch begrenzt vorhandener fossiler Ressourcen (Gas, Kohle, Erdöl). Vor diesem Hintergrund stellt die nachhaltige Sicherung der Welternährung eine enorme gesellschaftliche Herausforderung und somit auch ein für den Biologieunterricht bildungsrelevantes Thema dar.
Lebensmittelketten energetisch analysieren
Die komplexen Zusammenhänge der globalen Ernährungssituation sind grundsätzlich politisch, wirtschaftlich, sozial und naturwissenschaftlich zu analysieren. Dieser Unterrichtsansatz beschränkt sich auf den naturwissenschaftlichen Problemzugang, welcher auf energetischer Ebene erfolgt: Wissenschaftler nutzen Energie als eine Bilanzierungsgröße, mithilfe derer die Effizienz von Lebensmittelketten bzw. der menschlichen Nahrungsversorgung quantifiziert werden kann. Untersuchungen und Kapazitätsberechnungen von Cassidy und Kollegen (2013) haben beispielsweise ergeben, dass bis zu vier Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden könnten, wenn die Menschheit die global verfügbaren Ernteerzeugnisse ausschließlich zur Herstellung pflanzlicher Nahrungsmittel nutze anstatt diese in die energetisch ineffiziente Tierzucht und Fleischproduktion zu investieren.
In Industrienationen ist die Nahrungsmittelproduktion hingegen nicht nachhaltig ausgerichtet. Aufgrund einer intensiven Nutzung fossiler Energieträger für Produktions- und Verarbeitungsprozesse und den Transport der Lebensmittel, werden die Ernährungssysteme in den Industrienationen über einen längeren Zeitraum nicht in ihrer derzeitigen Form aufrecht zu erhalten sein (Cassidy/West/Gerber/Foley 2013). Da eine auf pflanzlichen Nahrungsmitteln orientierte Ernährung nicht nur energetisch effizienter ist, sondern auch erheblich geringere Energiebeihilfen benötigt, kann ein dahingehender Wandel der Ernährungsweise die Nachhaltigkeit der Ernährungssysteme weltweit verbessern.
Eine abstrakte Bilanzierungsgröße visualisieren: Energiemengen fließen lassen
Für das Verständnis naturwissenschaftlicher Sachverhalte ist Energie eine physikalische Größe, mit der Eigenschaften von Systemen quantifiziert werden können. Für die unterrichtliche Betrachtung globaler Ernährungsfragen soll Energie als Bilanzierungswerkzeug genutzt werden, mithilfe dessen Nahrungsmittelproduktion auf Effizienz geprüft wird. Aus didaktischer Sicht stellt sich die Frage, wie sich eine abstrakte Verrechnungsgröße für Lernende anschaulich repräsentieren lässt. Einen Ansatz bieten Sankey-Flussdiagramme (Abb. 1/Material 1b ). Diese Art der grafischen Darstellung bietet folgende Vorteile (Trauschke 2016):
  • (1)Die Fluss-Metaphorik ist geeignet, um die Bilanzierung von Energiemengen in Systemen anschaulich zu bezeichnen. Der quantitative Aspekt von Energie lässt sich einfach erschließen, weil Flussbreiten klar erkennbar Energiebeträge repräsentieren.
  • (2)Diese Darstellung erleichtert das Durchführen von Effizienzanalysen. Zusammen mit der proportionalen Mengenskala können Unstimmigkeiten in der Bilanz intuitiv durch die grafische Darstellung aufgedeckt werden.
Die Herstellung...

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