5. – 13. Schuljahr

Kerstin Kremer/Lara Durchgraf/Julia Schwanewedel

Ernährt die Erde uns alle?

Unterricht über globale Herausforderungen handlungswirksam gestalten

Im Zuge eines raschen Bevölkerungsanstiegs, den die Menschheit gerade verzeichnet, stellt sich dringend die Frage, wie eine ausgewogene, energiereiche und gesunde Ernährung für alle Menschen heute und zukünftig sichergestellt werden kann. Wissenschaftler prognostizieren, dass die Bevölkerung, wie in Abb. 1 und Abb. 2 dargestellt, von derzeit 7 Milliarden auf über 9 Milliarden Menschen im Jahr 2050 ansteigen wird (BMEL 2015).
Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht, welches seit 1948 in Artikel 3 und 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschrechte (AEMR) zu finden ist. Es ist außerdem in verschiedenen anderen internationalen Menschenrechtsinstrumenten verankert, wie z.B. dem Sozialpakt sowie in den Kinder- und Frauenrechtskonventionen. Zur Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung wurden im Jahr 2004 „Freiwillige Leitlinien zur Unterstützung der schrittweisen Verwirklichung des Rechts auf Nahrung im Kontext nationaler Ernährungssicherung (Kurz: „Leitlinien zum Recht auf Nahrung) verabschiedet (BpB 2014). Doch kann der Bedarf an Nahrung weltweit eigentlich erfüllt werden?
Rein rechnerisch erzeugt die Landwirtschaft derzeit genug Lebensmittel, um alle Menschen ausreichend zu ernähren, dennoch leiden weltweit etwa 800 Millionen Menschen unter Hunger und chronischer Unterernährung (BMEL 2015). Eine weitere Milliarde Menschen lebt mit einem Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen, während etwa zwei Milliarden Menschen übergewichtig bzw. adipös/fettleibig sind (Bundesregierung 2014).
In diesem Basisartikel werden die aktuellen Problemsituationen und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Gewährleistung einer globalen Ernährungssicherung dargestellt. Darauf aufbauend, wird die Rolle des Biologieunterrichts für eine ganzheitliche und auch interdisziplinäre Herangehensweise an die komplexe Thematik reflektiert sowie die in diesem Themenheft gesammelten Beiträge eingeordnet.
Vor welchen Herausforderungen stehen wir?
Die Ursachen für die globalen Herausforderungen der Ernährungssicherung sind vielfältig. Sie lassen sich nicht nur als naturwissenschaftliches Problem erfassen, sondern integrieren auch sozialwissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Dimensionen. Neben einer generellen Armut, spielt vor allem der mangelnde Zugang zu natürlichen Ressourcen (fruchtbarem Boden, Wasser, anderen Ressourcen) und Märkten für die nachhaltige Ernährungssicherung eine Rolle. Eine schlechte Regierungsführung nimmt ebenfalls erheblich Einfluss auf die Ernährungssituation der Bevölkerung (BMEL 2015).
Herausforderung Agrarflächen
Auf den Agrarflächen der Welt werden wichtige Ressourcen für den Tank, Trog oder Teller produziert. Im Zuge des Bevölkerungsanstiegs und der steigenden Nachfrage nach Biomasse für die Industrie und die Energieerzeugung wachsen auch Nutzungskonflikte um die begrenzten Agrarflächen. Das heißt, es wird intensiv diskutiert, ob Agrarflächen für den Anbau von Nahrungsmitteln für Menschen oder Tiere verwendet werden sollen bzw., ob pflanzliche Energieträger für die energetische Nutzung (beispielsweise Antriebsstoffe) angebaut werden sollen. Der Bevölkerungsanstieg und die Degradation von fruchtbaren Böden sorgen für eine starke Verringerung der Agrarfläche, die pro Kopf zur Verfügung steht. Als Folge muss die Produktivität auf den Feldern maßgeblich gesteigert werden, um in erster Linie eine Ernährung aller Menschen sicherzustellen. Der steigende Bedarf an Pflanzen als Nahrungs- und Futtermittel, Energieträger und nachwachsende Rohstoffe bei gleichzeitig sinkender Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen verlangt leistungsfähige Kulturpflanzen.
Dabei kommt der modernen Züchtungsforschung eine Schlüsselfunktion zu. Im Fokus der Forschung stehen die Verbesserung von Eigenschaften und Resistenz bzw. Toleranz gegen biotischen und abiotischen...

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