5. – 10. Schuljahr

Florian Fiebelkorn/Nils Puchert

Aufgetischt: Mehlwurm statt Rindfleisch

Insekten als alternative Proteinquelle bewerten

Ob als nachhaltiges Nahrungsmittel in Supermärkten, proteinreiches „Superfood in Fitnessstudios oder Delikatessen in Feinschmeckerrestaurants Insekten sind aktuell in aller Munde. Ein Vergleich der Nährwertangaben und Nachhaltigkeitsindikatoren von Insekten und Nutztieren zeigt, dass Nahrungsmittel aus Insekten mindestens genauso viel zu bieten haben wie konventionelle Fleischprodukte.

Seit dem 1. Januar 2018 sind Insekten durch die europaweit geltende „Novel-Food-Verordnung auch in Deutschland als Lebensmittel zugelassen. Erste große Handelskonzerne und Supermarktketten wie Metro und REWE haben die Gunst der Stunde genutzt und bieten seit Beginn des Jahres erste Nahrungsmittel aus Insekten an (z.B. „Mehlwurm-Nudeln und „Insektenburger). Jugendliche, die einen großen Teil der potenziellen Kunden dieser Novel-Food-Produkte ausmachen werden, sollten ausreichend über Nahrungsmittel aus Insekten aufgeklärt sein, um eine reflektierte Kaufentscheidung auf der Basis von Gesundheits- und Nachhaltigkeitsaspekten treffen zu können (Fiebelkorn 2017).
Steigende Weltbevölkerung, Fleischkonsum und Umweltprobleme
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird die Weltbevölkerung von derzeit 7,6 Milliarden bis zum Jahr 2050 auf mehr als 9,2 Milliarden Menschen ansteigen (United Nations 2017). Auch wenn der Fleischkonsum in vielen Industrieländern wie Deutschland mittlerweile (auf hohem Niveau) stagniert, prognostiziert die Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization), dass der weltweite Fleischkonsum von 2015 bis 2050 von 41,3 kg/Kopf/Jahr auf 49 kg/Kopf/Jahr zunehmen wird (Alexandratos/Bruinsma 2012, Bruinsma 2003). Um diese Massen an Fleisch zu produzieren, werden allein in Deutschland schon heute täglich (!) mehr als zwei Millionen Tiere getötet (Fiebelkorn 2017).
Die industrielle Nutztierhaltung ist Hauptverursacher einer Vielzahl der Umweltprobleme unserer Zeit (Steinfeld u.a. 2006). So gilt sie zum Beispiel als Hauptursache des Biodiversitätsverlusts und der übermäßigen Belastung von biogeochemischen Stoffkreislaufen mit Stickstoff- und Phosphat-Verbindungen. Zudem ist die industrielle Landwirtschaft hauptverantwortlich für die Übernutzung unserer Süßwasserressourcen und trägt deutlich zum Klimawandel bei (Campbell u.a. 2017).
Eine weitere Intensivierung der konventionellen Nutztierhaltung zur Befriedigung des Hungers nach tierischen Proteinen kann also nicht die Lösung sein. Es drängt sich die Frage auf, wie zukünftig eine ethisch vertretbare und nachhaltige Produktion von Proteinen erfolgen kann. Im Bereich der Novel-Food-Produkte werden neben Mycoproteinen (aus der Schlauchpilz-Art Fusarium venenatum; Handelsname Quorn) und Mikroalgen (verschiedene Chlorella-Arten) vor allem Insekten als alternative und nachhaltige Proteinquellen diskutiert (Nadathur u.a. 2017).
Nahrungsmittel aus Insekten? Das ist doch ekelig!
Dass in Deutschland bereits seit dem Mittelalter Spinnentiere, genauer gesagt Käsemilben der Art Tyrolichus casei zur Produktion einer lokalen Käsespezialität („Würchwitzer Milbenkäse) genutzt werden und noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts Maikäfer mit Zucker kandiert oder als Suppe genossen wurden, dürfte vielen Deutschen unbekannt sein (Material 1 ). Global betrachtet, werden Insekten schon seit langer Zeit von mehr als zwei Milliarden Menschen in über 130 Ländern als traditionelles und wohlschmeckendes Nahrungsmittel geschätzt (Material 2 ). Von den weltweit mehr als 1.000.000 Insektenarten werden nach aktuellem Forschungsstand 2.111 Arten gegessen Tendenz steigend (Jongema 2017). In der Ordnung der Käfer (Coleoptera, 659 Arten) finden sich die meisten vom Menschen verzehrten Arten, gefolgt von Schmetterlingen (Lepidoptera, 362 Arten) und Hautflüglern (Hymenoptera, 321 Arten) (Material 2 ).
Die vermeindliche „Neuartigkeit...

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