8. – 9. Schuljahr

Andrea Albers

Impfen gegen Tetanus

Ein Erklärvideo versprachlichen

Erklärvideos zu naturwissenschaftlichen Themen boomen. Erklärtexte für Videos selbst zu verfassen, verbindet fachliches und sprachliches Lernen miteinander. Denn für die Vertonung muss der Fachinhalt erst vollständig durchdrungen werden, bevor dieser verständlich erklärt werden kann. Beispielsweise die zellulären Prozesse bei einer Tetanusimpfung.

Ob im Straßenstaub oder in der Gartenerde: die Sporen des Bakteriums Clostridium tetani sind im Boden weit verbreitet (Gottschalk 2015). Über offene Wunden können sie in den menschlichen Körper gelangen und Tetanus auslösen. Diese auch als Wundstarrkrampf bekannte bakterielle Infektionskrankheit verläuft meistens tödlich. Die Bakterien vermehren sich unter anaeroben Bedingungen im Körper und sondern Toxine ab (ebd.). Die Giftstoffe schädigen die muskelsteuernden Nervenzellen, wodurch heftige Muskelkrämpfe ausgelöst werden.
Schutz durch Impfung
Ausschließlich Antikörper gegen die Tetanustoxine verhindern den Ausbruch der Krankheit. Die Ständige Impfkommission empfiehlt, die Tetanusimpfung nach der Grundimmunisierung im Alter zwischen neun und siebzehn Jahren aufzufrischen (Robert Koch Institut 2016) (Abb. 1).
Besteht bei einer Infektion kein ausreichender Impfschutz, muss innerhalb von 24 Stunden eine Heilimpfung (passive Immunisierung) erfolgen. Dem Infizierten werden die Antikörper direkt geimpft (Madigan/Martinko 2009). Diese werden durch andere Lebewesen gebildet, beispielsweise durch Pferde. Die Heilimpfung unterstützt nur kurzfristig die körpereigene Immunabwehr. Sie bietet keinen Langzeitschutz. Nach drei bis vier Wochen sind die Antikörper abgebaut.
Bei der Schutzimpfung (aktive Immunisierung) wird der Körper hingegen auf eine für ihn ungefährliche Weise zur Bildung von Antikörpern angeregt (ebd.). Gesunden Menschen werden abgetötete oder abgeschwächte Krankheitserreger injiziert. Der Körper bildet daraufhin Antikörper sowie langlebige B-Lymphozyten (Gedächtniszellen). Bei einer späteren Infektion stellen die Gedächtniszellen sofort Antikörper her. Die Antikörper verbinden sich mit den Antigenen auf der Oberfläche der Erreger. Die so verklumpten Erreger werden durch die Makrophagen (Fresszellen) beseitigt. Tetanus bricht also nicht aus. Der Körper baut den Impfstoff nach einiger Zeit ab und auch die Gedächtniszellen sterben ab. Alle zehn Jahre sollte die Impfung deshalb aufgefrischt werden.
Komplexe Sachverhalte erklären
Die zellulären Prozesse bei der Schutz- und Heilimpfung sind für SchülerInnen im Alltag nicht beobachtbar und deshalb abstrakt. Neben dem inhaltlichen Verständnis der Prozesse ist es besonders herausfordernd, den komplexen Fachinhalt auch sprachlich schlüssig darzustellen. Diese sprachliche Standardsituation des Erklärens eines Sachverhaltes können Lernende erst bewältigen, wenn sie den Inhalt auch verstanden haben (Leisen 2013). Wenn die SchülerInnen einen Erklärtext für ein unvertontes Video zur Tetanusimpfung verfassen, werden sie angeregt, für eine nachvollziehbare Erklärung den Fachinhalt zu durchdringen sowie eine verständliche und zugleich angemessene Sprache zu nutzen. Die handlungsorientierte Aufgabe kann durchaus Anlass sein, sich mit bisher noch nicht gänzlich verstandenen Zusammenhängen auseinanderzusetzen, um sie anschließend zu erklären.
Kriterien für eine verständliche Erklärung
Gekoppelt an den inhaltlichen Lernprozess, findet auch ein sprachlicher Lernprozess statt, indem die Lernenden verstehen, welchen Kriterien eine verständliche Erklärung genügen sollte. Hierbei kann zwischen strukturellen, inhaltlichen, adressatenbezogenen sowie weiteren Kriterien guten Erklärens (Wagner/Wörn 2011) unterschieden werden. Angelehnt an diese vier Bereiche, werden folgende Kriterien bei der Vertonung eines Videos angeführt:
Strukturelle Kriterien
Die inhaltliche Gliederung des Erklärtextes ist durch die Struktur des Videos bereits gegeben. Eine...

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