5. – 13. Schuljahr

Wilfried Probst

Saumbiotope Grenzen und Übergänge

Immer häufiger sieht man an Straßenrändern, auf Verkehrsinseln oder an Ackerrandstreifen bunte Blumen blühen. Das sind nicht nur Klatsch-Mohn und Kornblume, Schafgarbe, Wilde Möhre und Wegwarte, sondern auch Sommermalve, Großblütiger Lein, Büschelschön, Vogelfuß-Mädchenauge, Doldige Schleifenblume und andere Exoten, vorwiegend aus etwas wärmeren Regionen Europas und Amerikas (Abb. 1 ). Für „Blühstreifen an Äckern gibt es für Landwirte sogar Fördermittel. Mittlerweile bieten Saatgutfirmen bereits ein differenziertes Angebot an Samenmischungen an.
Werden solche Blumenstreifen nur aus ästhetischen Gesichtspunkten angepflanzt oder stecken dahinter auch ökologische Gründe? Zweifellos sehen diese blühenden Wegränder schön aus und werden auch von blütenbesuchenden Insekten gern angenommen. Doch ist es sinnvoll, dafür vor allem nicht einheimische Arten zu nutzen? Um eine Antwort auf diese Fragen zu erhalten, muss zunächst geklärt werden: Welche besonderen Merkmale kennzeichnen die Übergänge und Grenzen zwischen verschiedenen Landschaftselementen? Was zeichnet Saumbiotope aus?
Grenzen und Übergänge
Räumlich begrenzte Lebensgemeinschaften, deren Organismen untereinander in besonders zahlreichen Wechselbeziehungen stehen, bezeichnet man zusammen mit ihrer unbelebten Umwelt als Ökosystem. Ein solches System kann ein begrenzter Waldbestand, ein kleines Moor, ein Dorfteich oder eine Felskuppe sein. Aber auch viel größere Einheiten, etwa ein großer See, ein Meeresteil oder ein riesiges Waldgebiet wie das Amazonasbecken. Bei naturnahen Landschaften sind die Grenzen zwischen verschiedenen Ökosystemen oft keine scharf gezogenen Linien, vielmehr sind es allmähliche Übergänge großräumig gesehen zum Beispiel vom tropischen Regenwald zur Savanne oder von der Taiga in die Tundra. Solche Übergangsbereiche werden als Ökotone bezeichnet. Man findet sie auch in kleineren Gebieten, wie an der Baumgrenze eines Gebirgsmassivs (Abb. 2 ). Hier kommt es oft zu einer mosaikartigen Anordnung im Übergangsbereich.
Scharfe Grenzen hängen oft mit menschlichen Aktivitäten zusammen: Waldränder, Feldraine und Straßenränder sind dafür typische Beispiele. Aber auch katastrophenartige Naturereignisse wie Waldbrände, Sturmschäden, Lawinen, Vulkanausbrüche oder Überschwemmungen haben die Ausbildung scharfer Grenzen zur Folge, die allerdings meist im Laufe der Zeit wieder ausgeglichen werden.
Umweltfaktoren, die sich auf kurze Distanz stark verändern (steile Umweltgradienten), wie die zunehmende Wassertiefe an einem Gewässerufer oder die Meereshöhe in einem Gebirge, können zu deutlich erkennbaren Zonierungen führen, bei denen die einzelnen Pflanzengemeinschaften mehr oder weniger scharf gegeneinander abgegrenzt sind (Kasten 1).
1|Grenzen, Gradienten und Biodiversität
1|Grenzen, Gradienten und Biodiversität
An der Grenze von zwei Biotopen ändern sich auf kurze Distanz zum Beispiel Lichtgenuss, Feuchtigkeit oder Bodenbeschaffenheit (Abb. 1 ). Solche relativ steilen Umweltgradienten in der Grenzregion sind verantwortlich für das Vorkommen und die Häufigkeit verschiedener Arten. Je breiter der Übergangsbereich, desto allmählicher vollzieht sich auch der Übergang von einer Biozönose in die andere und desto stärker überlappen sich die Artareale.
Entlang steiler Umweltgradienten kommen sessile Organismen in bandförmigen Zonen (Abb. 2 ) vor. Beispiele sind marine Felsküste, Seeufer, etc.
Mit Umweltgradienten und Zonierungen ist auch die Biodiversität (Abb. 3 ) verknüpft. Dabei unterscheidet man:
  • α-Diversität ist umso größer, je größer die Artenvielfalt in einer Biozönose ist;
  • β-Diversität ist umso größer, je unterschiedlicher die Artenzusammensetzung verschiedener Biozönosen in derselben geografischen Region oder je größer die Änderung der Artenzusammensetzung entlang eines Gradienten ist;
  • γ-Diversität einer Landschaft mit mehreren Biozönosen ist umso größer, je größer die α-Diversität...

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