7. – 8. Schuljahr

Dennis Barnekow/Arne Bockwoldt

Lebensraum Wallhecke

Arten- und Formenkenntnis vertiefen

Einst vom Menschen angelegt, um Weide- und Ackerland zu begrenzen, bieten Wallhecken heute einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen Schutz und Lebensraum. Die Erforschung dieses Naturraums bietet die Möglichkeit, der Natur zu begegnen und Arten- und Formenkenntnisse zu erweitern. Dabei werden sowohl geeignete Bestimmungshilfen sowie Methoden der Tierbeobachtung und des Tierfangs eingesetzt.

Die Wallhecke ist ein kulturhistorisches Landschaftselement, das vor allem in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Verbreitung findet. Dabei handelt es sich um einen mit Gehölzen und heimischen Gräsern und Kräutern bewachsenen Erdwall.
Zur Geschichte der Wallhecken
Einige Wallhecken sind älter als 5000 Jahre und wurden damals vermutlich zum Schutz vor Wildtieren und plündernden Horden errichtet (Müller 2013). Eine flächendeckende Ausweitung der Wallhecken erfolgte im 18. und 19. Jahrhundert im Zuge einer Agrarreform, die die Unterteilung zwischen privatem und gemeinschaftlichem Besitz vorsah. Zu diesem Zweck wurden damals unzählige Erdwälle aufgehäuft und Hecken planmäßig als „lebende Zäune neu angelegt. Die Wälle unterschieden sich regional in ihrem Ausmaß, jedoch verfügten fast alle über beidseitig des Wallkörpers verlaufende Gräben, die der Entwässerung der angrenzenden Nutzflächen dienten.
Um die Hecke möglichst undurchlässig für das Vieh zu machen, wurden junge Zweige und dünne Äste nach unten geknickt oder gebeugt und verflochten, sodass sich ein dichtes Gestrüpp bildete. Von dieser Pflegetätigkeit leitet sich die alternative Bezeichnung für Wallhecken, der Knick, ab. Alle sieben bis zehn Jahre wurde der Knick „auf den Stock gesetzt, d.h., der Holzbewuchs abgesägt, damit sich frische Triebe bilden konnten. Nur wenige kräftigere Stämme wurden ausgenommen und wuchsen mit der Zeit zu hohen Bäumen heran, die sogenannten Überhälter. Das abgeschlagene Holz war im waldarmen Norden wichtiger Rohstoff zum Bau von Werkzeugen und zum Heizen. Zugleich versorgten die Hecken die bäuerliche Bevölkerung mit Obst, Nüssen und Kräutern. Diese Nutzfunktionen verloren im 20. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung und viele Wallhecken wurden gerodet, um eine großflächigere Bewirtschaftung zu ermöglichen.
Bedeutung für Naturschutz und nachhaltige Landbewirtschaftung
In ihrer ursprünglichen Form sind Knicks heute kaum noch vorzufinden. Die seitlichen Gräben werden nicht mehr benötigt und sind meist zugeschüttet oder verlandet. Aus Zeit- und Kostengründen wurde vielerorts die Bewirtschaftung verringert oder eingestellt. Dadurch sind viele Knicks degradiert und oft findet sich nur noch eine durchgewachsene Baumhecke mit einer aufgelösten Strauchschicht. Dadurch werden positive Effekte vermindert, denn über die ursprüngliche Funktion der Abgrenzung hinaus, dienen Wallhecken als Windschutz, verhindern Bodenerosion, erhöhen die Luft- und Bodenfeuchtigkeit und sorgen für verstärkte Taubildung. Sie regulieren den Wasserhaushalt und bewirken regional Ertragssteigerungen in den angrenzenden Feldkulturen. Zudem haben sie eine Filterwirkung gegen Staub und Luftverunreinigungen. Den Wallhecken kommt auch eine große ökologische Bedeutung zu. Sie verbinden Biotope wie Wälder, Acker- und Grünflächen miteinander und wirken wie zwei zusammengeschobene Waldränder, eine doppelte Saumgesellschaft. Dabei bestehen vielfältige Wechselbeziehungen mit den Ökosystemen der umgebenden Landschaft. Knicks fungieren für Tiere als Migrationskorridor. Sie ermöglichen es zum Beispiel, ohne den Weg über das freie Feld, von einem Waldstück in ein anderes zu gelangen.
Der Knick erzeugt ein eigenes Mikroklima, das auch innerhalb des Knicks variiert. Die Morphologie des Wallkörpers und seine Ausrichtung schaffen im Hinblick auf Bodenfeuchte und Lichteinstrahlung unterschiedliche Lebensbedingungen (Abb. 1 ). Dies hat eine charakteristische Zonierung...

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