7. – 9. Schuljahr

Wilfred Probst

Hallimasch erst Parasit, dann Saprobiont

Oft erscheinen im Herbst an totem Holz und auch am Grund lebender Bäume massenhaft büschelig wachsende, ockergelbe bis braune Hallimasche. Weil sie den Holzstoff Lignin abbauen, können die weltweit verbreiteten Baumparasiten große Schäden anrichten.

Der Hallimasch (Gattung Armillaria), der in Mitteleuropa in mehreren nicht leicht unterscheidbaren Kleinarten vorkommt, ist ein Massenpilz. Ein Fichtenforst kann voll mit seinen büschelig wachsenden Fruchtkörpern sein. Aber auch in Laubwäldern kann er in Massen auftreten. Die Pilze mit ihren bis etwa 10  cm breiten Hüten entwickeln sich an Baumstümpfen (Abb. auf Material 1 ) und anderem Totholz, aber auch an der Basis lebender Stämme. Teilweise scheinen sie direkt aus dem Boden zu wachsen, aber darunter ist immer eine Wurzel oder ein Holzstück.
Die jungen Hüte sind stark gewölbt und die Lamellen sind von einem Velum bedeckt. Dieser Schleier reißt beim weiteren Wachstum vom Hutrand ab und bleibt als Ring am Stiel zurück (Abb. auf Material 3 ). In den Lamellen entwickeln sich weiße Sporen, die bald die Umgebung und die tiefer stehenden Hüte der Pilze weiß bepudern. Die sparrigen Schüppchen auf der Hutoberfläche haben Hallimasche mit manchen ungenießbaren oder giftigen Schüpplingen gemein, die jedoch immer braunes Sporenpulver verstreuen. Dies gilt auch für ähnlich aussehende Schleierlinge (Cortinarius), die zudem auf dem Boden wachsen.
Der Hallimasch gehört zu den Pilzen, die sich vor allem von Holz ernähren. Anders als die durch Bakterien ausgelöste „Fäulnis organischer Stoffe läuft die durch Pilze verursachte „Holzfäule normalerweise unter aeroben Bedingungen ab. Viele Holzpilze sind „Schwächeparasiten: Sie können nur Bäume infizieren und abtöten, die durch Trockenheit, sauren Regen oder andere Parasiten geschwächt sind. Dies trifft auch für den Hallimasch zu; ein infizierter Baum kann sehr schnell absterben. Dann können die Pilze noch viele Jahre lang saprobiotisch von dem toten Holz leben und von dort aus weitere lebende Bäume befallen (Abb. auf Material 1).
Armillaria-Arten können nicht nur den Celluloseanteil des Holzes abbauen, sondern auch das Lignin. Weil das das Holz dadurch ausbleicht, spricht man „Weißfäule. Wegen der noch nicht zersetzten Cellulosefasern hat weißfaules Holz eine faserige Struktur. Andere häufige Weißfäule-Verursacher sind Schmetterlings-Tramete, Zunderschwamm, Schuppiger Porling und Angebrannter Rauchporling.
Die Enzymausstattung, die den Pilzen den Ligninabbau ermöglicht, hat sich vermutlich stammesgeschichtlich erst relativ spät in der Kreide (vor 145 Mill. Jahren) oder im Tertiär (vor 65 Mill. Jahren) entwickelt. Zuvor konnten sich die großen Steinkohlelager des Karbon (360 Mill. Jahren) auch unter aeroben Bedingungen bilden. Nach „Erfindung des Ligninabbaus entstand nur noch dann Steinkohle aus Holz, wenn Sauerstoffmangel dessen Zersetzung durch Pilze verhinderte.
Andere Holzpilze verdauen nur die Cellulose. Das übrig gebliebene Lignin oxidiert zu einer bröckeligen, braunroten Substanz, die sich im Endstadium zwischen den Fingern zerreiben lässt. Zu den „Braunfäule-Pilzen gehören der Echte Hausschwamm, der Eichen-Wirrling und der Schwefelporling.
Das größte Lebewesen?
Eine Besonderheit des Hallimasch sind millimeterdicke, schwarz ummantelte Myzelstränge. Mit diesen Rhizomophen kann der Pilz unter der Baumrinde und im Boden lange überdauern und auch Reservestoffe speichern. Ihre schwarze Hülle schützt die Myzelstränge gegen Austrocknung. Mithilfe der Rhizomophen kann sich der Hallimasch in kurzer Zeit über große Flächen ausbreiten.
Schlagzeilen machte ein Hallimasch-Myzel im Malheur National Forest (Oregon, USA), das sich über 880  Hektar ausdehnt und dessen Alter auf mindestens 2400  Jahre geschätzt wird (Material 1). Mit einer Masse von etwa  600  Tonnen wäre dieser Pilz das größte bekannte Lebewesen der Erde (Schmitt/Tatum 2008). Doch...

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