5. – 7. Schuljahr

Wilfried Probst | Barbara Ruhs

Gegenseitige Hilfe Mykorrhiza

Viele Bäume und andere Pflanzen können ohne Mykorrhiza-Pilze schlecht oder gar nicht gedeihen. Das Pilzgeflecht um ihre Wurzelspitzen verhilft ihnen zu Wasser und Nährsalzen, dafür belohnen sie ihre Pilzpartner mit nahrhaften Kohlenhydraten.

Nach aktuellen Schätzungen gedeihen 95% aller Pflanzen ohne Pilze schlecht oder gar nicht. Pflanzen und Pflanzengesellschaften, so wie wir sie heute kennen, sind vermutlich überhaupt erst möglich geworden durch die enge symbiotische Verbindung der Pflanzen mit Pilzen, die als „Mykorrhiza bezeichnet wird (griech. mykes = Pilz, rhiza = Wurzel). Zu den Mykorrhiza-Pilzen zählen viele Speisepilze wie z.B. Edel-Reizker und Pfifferling, aber auch viele Giftpilze, z.B. der Fliegenpilz und Knollenblätterpilze.
Prinzip der Mykorrhiza
Das ausgedehnte Fadengeflecht des Pilzes mit seiner riesigen Oberfläche ist besonders dazu geeignet, Wasser und Mineralstoffe aufzunehmen. Außerdem können organische Abfallstoffe durch die von den Pilzhyphen abgegebenen Enzyme in kleinere Bestandteile zerlegt und ebenfalls vom Myzel aufgenommen werden. Nach neueren Untersuchungen regen Duftstoffe (Sesquiterpene) von Mykorrhiza-Pilzen das Wachstum der Pflanzenwurzeln an (Franck u.a. 2015).
Charakteristisch für die meisten Waldbäume sind Ektotrophe Mykorrhizen. Die Pilzhyphen dringen in das Gewebe der Wurzelrinde ein, bleiben aber außerhalb der Zellen. Das dichte Hyphengeflecht, das die Wurzelspitzen umgibt, ist makroskopisch gut zu erkennen (Abb. 1 ). Bei der Endotrophen Mykorrhiza dringen die Pilzhyphen in die Pflanzenzellen ein. Weil sie keinen Mantel um die Feinwurzeln bilden, sind solche Mykorrhizen nur mikroskopisch nachweisbar.
Meist ist ein Baum mit mehreren Mykorrhiza-Pilzen vergesellschaftet In Fichtenwäldern gibt es über 150 Mykorrhiza-Pilzarten, in Eichenwäldern über 100 und in Erlenwäldern rund 50.
Einige Mykorrhiza-Pilze wie beispielsweise der Steinpilz haben mehrere Baumpartner, manche wie z.B. der giftige Satans-Röhrling bevorzugen Laubbäume, der geniesbare Maronen-Röhrling zieht dagegen Nadelbäume als Symbiosepartner vor. Manche Mykorrhiza-Pilze wie Fälblinge und Lacktrichterlinge sind auf Sämlinge und junge Bäume spezialisiert, andere wie z.B. Röhrlinge und Täublinge auf ältere Exemplare (Egli/Brunner 2011). Manche Pilzarten leben nur mit einer oder wenigen Pflanzenarten in Symbiose. Nicht selten kommt die enge Partnerschaft schon im Namen des Pilzes zum Ausdruck (Tab. 1 ).
Bedeutung der Mykorrhiza
Ohne die Hilfe der Mykorrhiza-Pilze bei der Aufnahme von Wasser und Mineralstoffen können Pflanzen vermutlich viele Lebensräume und Standorte nicht besiedeln. Umgekehrt können sich Pilze ohne die von den Pflanzen mithilfe des Sonnenlichts gebildeten energiereichen Kohlenstoffverbindungen (Kohlenhydrate) nicht in solcher Vielzahl und Masse ausbreiten. Indirekt begünstigt die Mykorrhiza auch die rein saprobiotisch lebenden Pilze, weil das massenhafte Pflanzenwachstum ihnen genügend organische Abfallstoffe zur Verfügung stellt.
Die fundamentale Bedeutung der Mykorrhiza für alle terrestrischen Lebensgemeinschaften wurde erst in den letzten Jahrzehnten vollständig erkannt. An den genauen Wechselwirkungen und Zusammenhängen wird noch intensiv geforscht. So geht man heute davon aus, dass die Mykorrhizen die Baumwurzeln auch vor krankheitserregenden Bakterien, anderen Pilzen und Fadenwürmern schützen.
Überlegungen zum Unterricht
Nach einer Erhebung der Deutschen Gesellschaft für Mykologie spielt das Thema Pilze derzeit in Deutschland in den Lehrplänen aller Schultypen und aller Bundesländer eine geringe Rolle. Andererseits ist in vielen Lehrplänen das Ökosystem Wald als verbindlicher oder fakultativer Inhalt vorgesehen. Ein Verständnis dieses Ökosystems ist aber ohne Kenntnisse über Pilze und insbesondere über die Rolle der Mykorrhiza unvollständig. Deshalb erscheint es sinnvoll, schon in den Klassen 5 und...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen