1. – 13. Schuljahr

Dörte Ostersehlt

Kriminalbiologie

Nichts wird im Fernsehen so häufig gesehen wie Mord und Totschlag keine Talkshow, keine Quizsendung, selbst Komödien und sexfreudige Liebesdramen können nicht mithalten. Beim sonntäglichen „Tatort gehen rund 9 Millionen deutsche Zuschauer wvia Mattscheibe auf Verbrecherjagd. Der Münsteraner Kommissar Thiel und der Gerichtsmediziner Boerne hatten sogar durchschnittlich 12,9 Millionen Zuschauer, darunter zahlreiche Akademiker (Statista 2015). Viele Jugendliche bevorzugen dagegen die coolen Agenten der amerikanischen Criminal Investigative Service (CIS)-Teams (Schlieben 2009).
Kriminalfälle und Forensik im Unterricht?
An TV-Krimis faszinieren nicht die Gewalttaten, sondern die beruhigende Gewissheit, dass am Ende immer die Guten den Fall lösen und die Bösen hinter Schloss und Riegel kommen. Die Dramaturgie ist vorausschaubar: Anfangs bringt ein Verbrechen die Ordnung ins Wanken, dann sichern kompetente Kriminalisten akribisch diverse Spuren, ziehen daraus ihre Schlussfolgerungen und haben schließlich binnen 45 oder 90 Minuten den Täter entlarvt und damit „die heile Welt wieder hergestellt. Nicht dass Krimis Verbrechen zeigen, sondern deren systematische Aufklärung ist der Grund für ihre Beliebtheit (Schlieben 2009).
Kriminalfälle egal, ob fiktiv oder real sind Rätsel, die zur Lösung he-rausfordern. Dabei spielen biologische Spuren und Zusammenhänge oft eine große Rolle. Daher können Kriminalfälle im Unterricht zur Erarbeitung von Fachkenntnissen und zum Erwerb von Kompetenzen im Bereich der Erkenntnisgewinnung motivieren. Allerdings ist das Krimi-Interesse nicht bei allen Jugendlichen gleich groß, einige dürfte der Gedanken an Gewalt und Blut sogar eher abschrecken. Deshalb sollten für den Unterricht weniger blutrünstige Beispiele ausgewählt werden.
Kriminalromane und -spielfilme zeichnen kein genaues Bild der tatsächlichen Ermittlungsarbeit. Der Biologieunterricht kann zumindest ansatzweise über die reale Arbeit der Ermittler aufklären und damit falschen Vorstellungen entgegenwirken.
Die wissenschaftlich-technischen Arbeitsgebiete, die an der systematischen Untersuchung von Straftaten beteiligt sind, werden als „Forensik zusammengefasst. Der Begriff ist abgeleitet von Forum (lat. = Marktplatz, Plural = Foren). Im alten Rom wurden kriminelle Handlungen auf Marktplätzen vor den Augen der Öffentlichkeit untersucht und bestraft.
Im Biologieunterricht kann der Begriff „Forensik emotionale Distanz schaffen: Spuren und Folgen einer Straftat werden zu Untersuchungsobjekten, die mit wissenschaftlichen Methoden erforscht werden. Es müssen nicht Leichen sein (Abb. 1 ). Ziel forensischer Untersuchungen ist es, die Schuld oder Nicht-Schuld verdächtiger Personen mittels naturwissenschaftlich objektiver Befunde zu belegen. In den Landeskriminalämtern arbeiten Sachverständige mit Spezialwissen aus verschiedenen biologischen Teildisziplinen, z.B. Mikrobiologie, Botanik, Allgemeine Zoologie, Entomologie und DNA-Analytik (Inhülsen 2007).
Spuren aufspüren
Mord in einer Villa. Der TV-Kommissar kommt zum Tatort und beugt sich über die Leiche. Auf der Kleidung entdeckt er ungewöhnliche Fasern. Vielleicht stammen sie vom Täter? Ein Tütchen wird hervorgeholt und der Fund verpackt.
Arbeiten so Ermittler? Tatsächlich tragen alle Ermittler am Tatort Einmal-Overalls, Mundschutz und Handschuhe. Fotos halten die Szenerie im Überblick und im Detail fest. Mit UV- und alterungsbeständigen Klebefolien werden etwaige Haar- und Faserspuren von der Kleidung beteiligter Personen und der Umgebung abgenommen und in staubdichten Beuteln verwahrt. Fingerabdrücke werden gesichert, Insektenstadien in Sammelgläsern verwahrt und Bodenproben und pflanzliche Reste in Papiertüten gesteckt, in denen sie nicht schimmeln. Alle Belege werden sorgfältig beschriftet und im Labor genau untersucht (Inhülsen 2007).
Stille Zeugen nichts für zarte Gemüter!
Ein Mann gilt seit Wochen als vermisst. Zuletzt...

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