EvolutionVon wegen Wüstenschiff

Kamele gelten als hervorragend angepasste Tiere der Wüsten Afrikas und Asiens. Dabei haben sie ihren Ursprung in Nordamerika. Im Jahr 2013 wurden auf Kanadas nördlichster Insel die Knochen eines etwa 3,5 Millionen Jahre alten fossilen Kamels gefunden, das an arktische Kälte angepasst war.

Kamel im Schnee

Flexibel bleiben! Foto: © Polina Truver/Shutterstock.com

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Es gibt nicht das eine Kamel, sondern Kamele (Camelidae), die einzige Säugetierfamilie aus der Ordnung der Paarhufer, die zu den Schwielensohlern gehört. Die Bezeichnung hat mit dem Aufbau der Füße zu tun. Die Zehen ruhen auf einem elastischen Polster aus Bindegewebe, das eine breite Sohlenfläche bildet. Damit können sich Kamele auf Wüstensand hervorragend bewegen. Ihr Beiname „Wüstenschiffe“ rührt daher, dass sie sich im Passgang fortbewegen und dabei schaukeln.

Aller Anfang ist klein

Es werden zwei Gruppen unterschieden: die sogenannten Altweltkamele (Camelini) mit dem einhöckrigen Dromedar und dem zweihöckrigen Trampeltier und die Neuweltkamele (Lamini) mit Lama, Vikunja und Alpaka. Alle Kamele gehen stammesgeschichtlich auf eine etwa hasengroße Urform zurück, die vor etwa 45 Millionen Jahren in Nordamerika gelebt hat. Während des Miozäns entwickelten sich aus ihr etwa 20 Arten. Der Lebensraum war sehr lange auf Nordamerika beschränkt, bis vor etwa 5 Millionen Jahren, über die damals trockene Beringstraße, die Besiedlung Asiens und Afrikas und, über die Landenge von Panama, die Besiedlung Südamerikas erfolgte. In Nordamerika starben die Kamele von etwa 10 000 Jahren aus. Vermutlich wurden sie zu stark bejagt.

Kamele im Polargebiet

Bis vor kurzem stammte der nördlichste Fund eines fossilen Kamels aus dem Yukon im Nordwesten Kanadas. Die Fundstelle von 1913 befindet sich im nördlicher Teil und somit bereits innerhalb des Polargebiets. In Hinblick auf die Knochen muss das Tier sehr viel größer gewesen sein als seine heutigen Verwandten in Asien und Afrika. Dies gab ihm den Namen „Yukon Giant Camel“. Es gehörte wahrscheinlich zur ausgestorbenen Gattung Paracamelus und sah wie einhöckriges Dromedar aus. Einhundert Jahre später entdeckten Wissenschaftler über dreißig Knochenreste, die von einem ähnlichen Fossil stammen könnten. Der Fundort auf der kanadischen Insel Ellesmere liegt nochmal 1200 km weiter nördlich, direkt gegenüber von Nordgrönland. Die Knochenfragmente wurden dreidimensional gescannt und anschließend am Computer zusammengesetzt. Vermutlich handelt es sich um das Schienbein eines großen Säugetieres, welches vor etwa 3,5 Millionen Jahren lebte. Da zu dieser Zeit Kamele die größten Säugetiere Nordamerikas waren, ordnen die Forscher das Schienbein einem Kamel zu.

Paracamelus als Vorfahre heutiger Dromedare

Durch die durchgängig kalten Temperaturen in den kalten Polargebieten wurden in den Knochenresten Reste von Kollagen bewahrt, welche die Wissenschaftler mit Hilfe einer erst 2009 neu entwickelten Methode analysierten. Mittels diesem „Collagen Fingerprinting“ sind die Forscher in der Lage, Unterschiede in der Aminosäuresequenz zu ermitteln, ohne ihre tatsächliche Abfolge bestimmen zu müssen. Der Vergleich mit Proben verwandten Tierarten belegten sie ihre Vermutung. Die Ergebnisse überraschten: Das Tier ist nicht nur dem Yukon-Kamel, sondern auch dem heute lebenden Dromedar ähnlich. Das gefundene Schienbein könnte also zu einem Kamel der Gattung Paracamelus gehört haben, den direkten Vorfahren der heutigen Altweltkamele. Wie das Yukon-Kamel waren diese vermutlich um einiges größer als seine heutigen Nachfahren.

Ob Sand oder Eis: Wüste bleibt Wüste

Liegt die Forschung richtig, so erscheinen einige scheinbar typischen Anpassungen der heutigen Kamele in einem anderen Licht: Ihre Fußsohlen erleichtern ihnen nicht nur die Fortbewegung auf Wüstensand, sondern auch auf Schnee. Die Fettspeicher in ihren Höckern ermöglichen nicht nur lange Wüstenwanderungen ohne Wasser, sondern auch lange Winterzeiten ohne Nahrung zu überstehen. Die Eigenschaften, die als Anpassung ans Wüstenklima aufgefasst werden, könnten ursprünglich durchaus Überreste einer Angepasstheit an das Überleben am Polarkreis sein.

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