KooperationBestrafung schafft Kooperation

Putzerfische arbeiten oft in Geschlechterteams und befreien größere Fische von Parasiten und abgestorbenen Hautschuppen. Noch mehr interessiert sind die Fische am Schleim, der die Haut ihrer „Kunden“ überzieht. Wenn die Weibchen sich einen Bissen Schleim gönnen, werden sie anschließend von den Männchen bestraft. Die Bestrafung hat zwei wesentliche Effekte.

Putzerfische an einem Langstachel-Igelfisch bei Bali

Zwei Putzerfische bei der Arbeit an einem "Kunden", hier ein Langstachel-Igelfisch. Foto: © Bunakenhans/stock.adobe.com

|

Der Gemeine Putzerfisch (Labroides dimidiatus) lebt in Korallenriffen des Indopazifiks. Sie sind etwa zehn Zentimeter lang und auffällig gestreift. Ihren Namen tragen sie, weil sie anderen Fischen, die deutlich größer sind als sie selbst, Parasiten und abgestorbene Schuppen von der Haut fressen. Diese mutualistische Symbiose ist eine klassische Win-win-Strategie, bei der beide Partner voneinander profitieren. Gleichzeitig gibt es für die Putzerfische einen Konflikt, denn noch lieber fressen die den nahrhaften Schleim, der sich auf der Haut ihrer „Kunden“ befindet. Allerdings gibt es dabei ein Risiko: Wird der „Kunde“ gebissen, sucht er das Weite und die Putzerfische verlieren die Nahrungsquelle.

Beim Geschlecht flexibel

Putzerfische leben in Harems aus einem Männchen und 6–8 Weibchen. Alle Individuen werden zunächst als Weibchen geboren. Wenn die Fische wachsen, verwandelt sich der größte Fisch in ein Männchen. Verlässt ein Männchen den Harem, wird das größte Weibchen zu einem Männchen und zeigt bereits nach 1–2 Stunden typisch männliches Sexualverhalten, obwohl noch keine Spermaproduktion stattfindet.

Das kooperative Putzteam

Beim Putzen bilden das Männchen und das größte Weibchen oft ein Team. Solche Teams sind in der Regel erfolgreicher als Einzeltiere. Wie Wissenschaftler herausfanden, liegt dies vor allem daran, dass die Weibchen im Team deutlich seltener von dem bevorzugten Hautschleim fressen. So fügen sie dem „Kunden“ seltener Bisse zu, die ihn vorzeitig verjagen würden. Die Putzerfische verhalten sich dabei kooperativ, denn würde eines der beiden Tiere Hautschleim fressen, wäre der Partner zweifach gestraft: Weder hatte er etwas vom nahrhaften Schleim, noch wären ihm weiterhin die Parasiten als Nahrungsquelle zugänglich.

Putzerfische können lernen

Laborexperimente beweisen: Putzerfische sind zu solchen Lernleistungen fähig. Dazu wurde den Fischen Plexiglasplatten mit Speisen unterschiedlicher Qualität angeboten: Fischflocken und Garnelenpaste. Die Fische lernten, dass das Fressen von Fischflocken ohne Konsequenzen blieb. Das Fressen der Garnelenpaste führte allerdings dazu, dass sie komplett aus dem Speisebecken entfernt wurde. Entgegen ihrer Vorliebe fraßen die Fische mit der Zeit bevorzugt Fischflocken, obwohl ihnen auch Garnelenpaste angeboten wurde.

Bestrafung durch das Männchen

Das kooperative Verhalten zeigt das Weibchen aber nicht aus purer Selbstlosigkeit. Es ist das Ergebnis der Bestrafung durch das Männchen. Wie Wissenschaftler beobachteten, verhält sich ein Männchen gegenüber einem Weibchen, das Schleim gefressen hat, sehr aggressiv. Dabei geht es weniger um den Opferschutz des „Kunden“, als um den Nachteil des Männchens. So fiel die Bestrafung umso heftiger aus, je größer „Kunde“ und Weibchen waren.

Wie nehmen Größen Einfluss?

Größere „Kunden“ bedeuten für die Putzerfische mehr Nahrung. So ist der Einfluss „Kundengröße“ auf die Bestrafung leicht nachzuvollziehen. Der Einfluss der Größe des Weibchens hängt mit dem System der Geschlechtsumwandlung bei Putzerfischen zusammen. Bei guter Ernährung wachsen die Fische. Handelt es sich bereits um ein großes Weibchen, besteht die Gefahr, dass es das Männchen bald an Größe überragt. Da bei Putzerfischen aus dem größten Fisch immer ein Männchen wird, besteht die Gefahr, dass dieses große Weibchen sich bald ebenfalls in ein Männchen verwandelt und so zur Konkurrenz wird. 

Mensch und Putzerfisch: gar nicht so unähnlich?

Dieses Anpassen der Strafen an das Verbrechen, ist laut den Wissenschaftlern das erste Beispiel für ein typisch menschliches Verhalten im Tierreich. Beim Menschen wie auch beim Putzerfisch dienen die Strafen als Abschreckung gegen künftige Straftaten und begünstigen so kooperatives Verhalten. Es gibt nur einen Unterschied: Bei Putzerfischen werden die Männchen nie bestraft.

Verwandte Inhalte

Verhindern Symbiose die Ausbreitung einer?

Uns gibt es nur im Doppelpack

Wenn ein Baum um Hilfe ruft...

Der Baum und seine Ameisenarmee

Käfer und Bakterien: Ein Team!

Auch Käfer nutzen Dienstleister

30 % Rabatt für Referendare – und weitere Vorteile
Das rechnet sich!

30 % Rabatt für Referendare – und weitere Vorteile

Als Studierende oder Referendare erhalten Sie 30 % Rabatt auf das Jahres-Abo der Zeitschriften. Zusätzlich erhalten Sie dann als Abonnent weitere Preisermäßigungen für viele Produkte des Verlags.

Mehr erfahren

Newsletter unterricht-biologie.de

Fachnewsletter Unterricht Biologie

Exklusive Goodies  Unterrichtskonzepte
Neues vom Fach  Jederzeit kostenlos kündbar