ErnährungFrühstücken wie ein Kaiser?

Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König und Abendessen wie ein Bettler – diese Ernährungsempfehlung galt Jahrzehnte lang als Richtlinie. Hersteller von Frühstücksprodukten und Ernährungswissenschaftler propagieren das Frühstück als die wichtigste Mahlzeit des Tages. Aber es gibt Zweifel an diesem Dogma.

Üppiges Frühstück

Der Tag sollte mit einem reichhaltigen Frühstück beginnen. Oder? Foto: © kab-vision/stock.adobe.com

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Nicht Kaiser Wilhelm I., sondern sein Reichskanzler Otto von Bismarck soll bis ins hohe Alter jeden Morgen bis zu 16 Eier verspeist haben, außerdem Koteletts, Räucherfisch, Wurst und Butter. Dazu trank er Kaffee und Champagner. Allerdings wog er zeitweise auch 145 kg – das macht bei einer Körpergröße von 190 cm einen BMI von über 40. Er litt unter Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Herz- und Kreislaufbeschwerden, Rheuma, Venenentzündungen, Verdauungsstörungen und Schlaflosigkeit – und wurde damit 83 Jahre alt.

Stress statt Frühstück

Laut einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts von 2014 frühstücken auch werktags 77 % der Befragten jeden Tag. Nur 9 % frühstücken nur ab und zu und 13 % gar nicht. Als Gründe für den Ausfall des Frühstücks wurden zu 58 % fehlender Hunger bzw. Appetitlosigkeit und zu 41 % Zeitmangel angeben. Nur 7 % der Befragten wollten Kalorien sparen. Für die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK), den Auftraggeber der Befragung, war das Ergebnis besorgniserregend: Wer nicht frühstücke, der sei schneller erschöpft und unkonzentriert. Dadurch steige das Stress-Risiko. Außerdem käme es über den Tag zu Heißhungerattacken, die oft mit kalorienreichen Snacks gestillt würden.

Frühstück stillt Heißhungerattacken

Tatsächlich haben Wissenschaftler herausgefunden, dass morgendliches Fasten hungriger macht. Die Lust auf kalorienreiches Essen wird größer und die Menge des danach verzehrten Essens steigt. Die Forscher führten dazu Gehirnscans (MRI) mit normalgewichtigen Freiwilligen durch. An bestimmten Tagen hatten sie überhaupt kein Frühstück gegessen, an anderen Tagen durften sie vor dem Scan ein ausgiebiges Frühstück zu sich nehmen. Während des Gehirnscans zeigten die Forscher den Teilnehmern Bilder verschiedener Speisen. Bei ausgelassendem Frühstück wurden Gehirnareale angeregt, die Heißhungerattacken auf kalorienreiches, süßes und fettes Essen auslösen. Mit Frühstück waren diese Gehirnareale deutlich weniger aktiv. Beim anschließenden Mittagessen wurde mit leerem Magen 20 % mehr verzehrt als an den Tagen mit Frühstück.

Frühstückskultur in Raum und Zeit

Unsere Vorfahren kannten vermutlich kein Frühstück. Sie werden gegessen haben, nachdem sie vom Sammeln und der Jagd zurück waren. Im Mittelalter aßen die Menschen morgens Suppe und Brot. Das ausgiebige Frühstück kam erst mit der Industrialisierung auf, als die Arbeiter für einen extrem langen Arbeitstag ihre Nährstoffreserven auffüllen mussten. Aber selbst das gilt nicht universell. In südeuropäischen Ländern begnügt man sich oft nur mit einem Kaffee.

Biologisch betrachtet

Zu Frühstücken ist vermutlich reine Gewohnheit, biologisch notwendig ist es jedenfalls nicht. Das Aufwachen am Morgen fällt mit der höchsten Cortisolkonzentration am Tag zusammen. Dadurch wird aus den Depots Glukose mobilisiert, die für die Anstrengungen des Tages bereitsteht. Das würde auch erklären, weshalb unsere Vorfahren ohne Frühstück zum Sammeln und Jagen aufbrechen konnten. Das neue ernährungswissenschaftliche Credo zum Frühstücken ist jedenfalls vollständig individualisiert: Wenn Sie gerne frühstücken, tun Sie es – wenn nicht, kein Problem.

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