SuchtWarum wir unsere Smartphones lieben

Müssten manche Menschen auf ihr Smartphone verzichten, hätten sie deutliche Entzugserscheinungen. Aber Wissenschaftler behaupten, dies sei gar keine Abhängigkeit vom Smartphone, sondern eine evolutionär tief verwurzelte Sucht nach sozialen Kontakten.

Jugendliche benutzen das Smartphone

Manche Menschen sind permanent mit ihrem Smartphone beschäftigt. Foto: © Syda Productions/Shutterstock.com

|

Wenn das Smartphone das Leben bestimmt

Smartphones sind seit ihrer Einführung Mitte der 1990er Jahre zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden. Die Zahl der Handy-Besitzer ist kontinuierlich gestiegen und betrug 2016 mehr als 7 Millionen. Gleichzeitig wuchs die Zahl der User, die als Smartphone-abhängig gelten. Bei einer Befragung gaben etwa 50% der Jugendlichen und etwa 25% der Erwachsenen an, keinen einzigen Tag auf ihr Smartphone verzichten zu können.

Smartphone-Abhängigkeit erkennt man daran, dass die Betroffenen ohne Grund ständig überprüfen, ob neue Nachrichten eingetroffen sind. Ohne Smartphone sind sie unruhig oder sogar ängstlich. Sie sind abgelenkt, weil sie ständig mit ihrem Smartphone beschäftigt sind. Sie wachen sogar mitten in der Nacht auf, um zu überprüfen, ob es neue Nachrichten gibt. Das Smartphone wird häufiger und länger genutzt als geplant. Ist der Akku leer, fühlen sie sich unwohl.

Die Sehnsucht nach sozialen Kontakten

Exzessive Smartphone-Nutzung gilt als asozial. Als Folgen werden narzisstisch-egoistische Kommunikation, Mangel an mitfühlendem Verhalten sowie fehlende Konfliktfähigkeit angemahnt. Zwei kanadische Wissenschaftler dagegen behaupten, die Smartphone-Sucht sei im Gegenteil hypersozial – eine tief verwurzelte Sehnsucht nach sozialen Kontakten. Diejenigen Smartphone-Funktionen, die am stärksten abhängig machen, sollen eines gemeinsam haben: Sie bedienen das menschliche Bedürfnis, sich mit anderen zu verbinden.

Für ihre These von der Sozialität der Smartphone-Nutzung führen die Wissenschaftler zwei Belege an: Zum einen werden Smartphones in erster Linie für soziale Aktivitäten wie Telefonate, Textbotschaften und soziale Vernetzung genutzt. Selbst weniger interaktive Nutzungsformen wie die Informationssuche im Internet haben inzwischen soziale Komponenten wie Likes und Kommentare, die als soziale Indikatoren von Ansehen und kollektiver Aufmerksamkeit betrachtet werden. Zum zweiten entwickeln Menschen, die ihr Smartphone vor allem für soziale Aktivitäten nutzen, schneller eine Smartphone-Abhängigkeit.

Dabei zeigt sich auch auch ein deutlicher Geschlechtsunterschied. Frauen nutzen ihr Smartphone häufiger für soziale Zwecke und entwickeln schneller eine Smartphone-Abhängigkeit als Männer.

Digitale Diät

Smartphones haben den Nachteil, dass sie für ein an sich gesundes Bedürfnis eine ungesunde Plattform bieten. Die Smartphone-Nutzung kann aus dem Ruder laufen – das sehen auch die kanadischen Wissenschaftler. Und empfehlen ein paar einfache Maßnahmen, wie die Kontrolle über die Smartphone-Nutzung zurückgewonnen werden kann. Zunächst soll man sich klar machen, dass eine Smartphone-Abhängigkeit einem natürlichen Bedürfnis nach Kommunikation entspricht. Dann sollten Push-Benachrichtigungen abgestellt und feste Zeiten festgelegt werden, wann das Smartphone überprüft wird. Schließlich sollte mit Familie, Freunden usw. Regeln festgelegt werden, wann und wie oft kommuniziert wird.

30 % Rabatt für Referendare – und weitere Vorteile
Das rechnet sich!

30 % Rabatt für Referendare – und weitere Vorteile

Als Studierende oder Referendare erhalten Sie 30 % Rabatt auf das Jahres-Abo der Zeitschriften. Zusätzlich erhalten Sie dann als Abonnent weitere Preisermäßigungen für viele Produkte des Verlags.

Mehr erfahren

Newsletter unterricht-biologie.de

Fachnewsletter Unterricht Biologie

Exklusive Goodies  Unterrichtskonzepte
Neues vom Fach  Jederzeit kostenlos kündbar