MasernMasern-Impfung: Zwischen Mythos und Wahrheit

Masern selbst sind nicht tödlich, manche Begleiterscheinungen schon. Durch eine weltweite Impfung könnte der Masern-Virus vollständig ausgerottet werden. Doch Mythen über Impfrisiken halten sich hartnäckig.

Trauriges krankes Kind auf dem Arm eines Erwachsenen

Gegen Masern impfen: ja oder nein? Foto: © luanateutzi/Shutterstock.com

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Ursprünglich wollte die WHO die Masern bis 2020 ausgerottet haben. Nachdem in Berlin die Zahl der Maserninfizierten 2014 überraschend auf 643 Personen anstieg, kam es nun erneut zu einer erhöhten Zahl an Viruserkrankten. Genau 236 Menschen infizierten sich bis Mitte März 2019 in ganz Deutschland. Im Fokus steht vor allem das niedersächsische Hildesheim. Hier stehen sich Ansteckungsgefahr, Schulpflicht und Impfbedenken unmittelbar gegenüber.  

Vom Schnupfen zum Hautauschlag

Der Masernerreger gehört zu der Gattung der Morbilliviren, welche sich aus hochansteckenden, behüllten Viren mit einzelsträngiger RNA zusammensetzt. Er wird durch direkten Kontakt oder Tröpfcheninfektion übertragen. Nach einer Inkubationszeit von 10-14 Tagen treten zunächst zu unspezifischen Symptomen, wie Fieber, Schnupfen und Bindehautentzündung, auf. Eindeutig Masern-typisch sind die weißlichen Koplikflecken an der Mundschleimhaut. Nach weiteren 3-7 Tagen kommt es zu einem juckenden Ausschlag auf der Haut, dem Masernexanthem. Dieser bleibt in der Regel 10 Tage bestehen. Danach gehen die Symptome von selbst zurück.

Masern können zum Tod führen

Masern an sich sind nicht tödlich. Die Infektionen verursacht aber eine Immunschwäche, die etwa sechs Wochen anhält. Dadurch können weitere Infektionen, wie Mittelohrentzündung, Lungenentzündung und Durchfall, auftreten. In seltenen Fällen kommt es zu Gehirnentzündungen. Diese verursachen bei 20-30 Prozent der Betroffenen Langzeitschäden und enden in 10-20 Prozent der Fälle tödlich. Die sehr seltene Gehirnentzündung SSPE kann sogar erst 5-10 Jahre später auftreten. Sie endet für den Betroffenen immer tödlich.

Es gibt keine Behandlungsmethode – eine Impfung schon!

Masern können nicht behandelt werden. Sie können durch Impfen aber komplett vermieden werden. Bei der Masern-Impfung handelt es sich um eine aktive Immunisierung, auch Lebendimpfung oder Schutzimpfung genannt. Dem Patienten werden abgeschwächte Viren verabreicht, woraufhin der Körper Antikörper und Gedächtniszellen gegen den Virus bildet. Kommt es später zu einer Infektion mit aktiven Erregern kann der Körper schnell reagieren und den Virus abtöten, bevor die Krankheit ausbricht und Risiken entstehen. Da der Masernvirus nur innerhalb des Menschen vorkommt, könnte er durch ein konsequentes Impfen der Weltbevölkerung komplett ausgerottet werden.

Impfstatistik weltweit

Die erste Masern-Impfung erfolgt in der Regel in Kombination mit Impfstoffen gegen Mumps und Röteln zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat. Sie ist mit der zweiten Impfung im Alter von 15-23 Monaten abgeschlossen. Der Impfschutz hält ein Leben lang. Dennoch sind 71 Prozent der Menschen in Deutschland nicht gegen Masern geimpft. Weltweit ist der Impfschutz noch geringer. Rund 21,1 Millionen Kinder bleiben jedes Jahr ungeimpft. So kommt es jährlich zu drei Millionen Infektionen mit über 700 000 Todesfällen.

Mythen führen zu falschen Impfbedenken

Als Grund für die schlechte Impfrate gilt zum einen die Impfmüdigkeit der Eltern. Sie unterschätzen die Gefährlichkeit der Krankheit. Da Masern zudem kontrollierbar erscheinen, halten viele eine Impfung für überflüssig. Zum anderen spielen Mythen über die Masern-Kombinationsimpfung seit der Wakefield-Studie von 1998 eine große Rolle. Laut Wakefield könne die Impfung eine Form von Autismus hervorrufen. Diese Zusammenhänge waren frei erfunden. Die Studie diente dem Zweck die Verkaufszahlen eines neu entwickelten Testverfahrens zu erhöhen. Wakefield wurde das Berufsverbot als Arzt erteilt, die Studie 2010 zurückgezogen. Dennoch hält sich dieser Mythos sich hartnäckig.

Masern als Auftakt für den Unterricht

Die neusten Fälle von Masern in Schulen und die begleitenden Diskussion über Impfrisiken und einer möglichen Impfpflicht sind durch ihre Aktualität für die Schülerinnen und Schüler in hohem Maße interessant. Im UB-Heft „Virale Krankheitserreger“ wird der Masern-Virus genau betrachtet. Aufgaben zum Aufbau des Virus und Möglichkeiten der Immunisierung bringt den Schülerinnen und Schülern das Thema näher. 

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