VerdauungVon wegen Altersdiabetes

Der Diabetes Typ 2 wurde früher als „Altersdiabetes“ bezeichnet, weil er ausschließlich bei Erwachsenen über 50 Jahren diagnostiziert wurde. Inzwischen ist die Bezeichnung irreführend, weil es bereits im Kindes- und Jugendalter Typ-2-Diabetiker gibt. Und die weltweit steigende Anzahl ist alarmierend

Übergewichtiges Kind

Eine Insulinresistenz geht meistens mit Übergewicht und Adipositas einher. Foto: © kwanchai.c/Shutterstock.com

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Diabetes Typ 1

Bis vor kurzem gab es bei Kindern und Jugendlichen nur den Diabetes Typ 1. Das ist eine Autoimmunkrankheit, durch die die β-Zellen in der Bauchspeicheldrüse angegriffen werden. Irgendwann sind so viele Zellen zerstört, dass nicht mehr genügend Insulin zur Regulation des Blutzuckerspiegels produziert wird.

Diabetes Typ 2

Für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes ist eine Insulinresistenz der Glukose-speichernden Gewebe ausschlaggebend. Die Zellen, die Glukose aufnehmen sollen, reagieren nicht mehr auf Insulin, weil sie die Insulin-Rezeptoren an der Zelloberfläche reduziert haben. Die Bauchspeicheldrüse regiert darauf mit verstärkter Insulinsekretion (Hyperinsulinämie), bis irgendwann die β-Zellen ihre Funktion einstellen.

Ursache der Insulinresistenz ist die Einlagerung von Fett in der Leber, der Bauchspeicheldrüse und der Muskulatur (sog. ektopes Fett). Das geht meistens mit Übergewicht und Adipositas einher, aber es gibt auch schlanke Menschen mit entsprechender Fetteinlagerung.

Diabetes Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen

Auch die meisten Kinder und Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes sind übergewichtig, aber nicht alle Übergewichtigen entwickeln einen Typ-2-Diabetes. Für eine entsprechende genetische Disposition spricht, dass bei vielen Kindern und Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes ein familiärer Hintergrund bekannt ist.

Bei Jugendlichen spielt die Pubertät eine zusätzliche Rolle, da das in dieser Zeit vermehrt freigesetzte Wachstumshormon ebenfalls eine Insulinresistenz bewirkt. Diese pubertäre Insulinresistenz bildet sich allerdings nach der Pubertät wieder zurück.

Diagnose und Behandlung

Das Tückische am Typ-2-Diabetes ist,  dass er zunächst keine Beschwerden oder Schmerzen verursacht. Symptome wie Durst oder Müdigkeit sind nicht besonders auffällig. Bei manchen Kindern lassen die schulischen Leistungen nach. Aber wer stellt schon einen Zusammenhang zu Diabetes her?

Wegen der verschiedenen Diabetes-Typen ist eine präzise Diagnose und Klassifikation die Voraussetzung für eine adäquate Therapie. Da viele Kinder bei der Diagnose ohne Symptome sind, wird befüchtet, dass der Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen genauso unterdiagnostiziert ist wie der bei Erwachsenen.

Der Typ-2-Diabetes muss unbedingt behandelt werden, da er eine Reihe von gefährlichen Gefäßkrankheiten zur Folge hat: Herz-Kreislauferkrankungen mit der Gefahr von Schlaganfall und Herzinfarkt, Neuropathie, Retinopathie, Nephropathie. Außerdem ist die Erkrankung mit dem metabolischen Syndrom assoziiert, d.h. mit Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen.

Lebensstiländerung als Therapie

Grundlage der Therapie ist wie bei Erwachsenen eine Lebensstiländerung (anders essen, mehr bewegen), die zum Ziel hat, die Nüchternblutzuckerwerte und den Langzeitwert HBA1c  zu normalisieren. Dabei stellen sich die gleichen Motivationsprobleme wie bei Erwachsenen, die Compliance ist gering.

Wird das Behandlungsziel mit einer Lebensstiländerung nach drei Monaten nicht erreicht, sollen Medikamente eingesetzt werden. Derzeit stehen von den für Erwachsene zugelassenen Medikamenten nur zwei für Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Metformin senkt den Blutzuckerspiegel, indem es die Glukoseaufnahme aus dem Darm und die Glukoseneubildung in der Leber hemmt und die Insulinsensitivität der Muskulatur steigert. Insulin soll nur eingesetzt werden, wenn auch mit Metformin kein Therapieerfolg gelingt. In ganz schweren Fällen wird bariatrische Chirurgie (chirugische Veränderungen des Magen-Darm-Traktes) empfohlen.

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