Virale KrankheitenDas Virus mit dem „Heiligenschein“

An Asiaten, die einen Mundschutz tragen, hat man sich mittlerweile gewöhnt, aber jetzt könnten es deutlich mehr werden. Eine neue Variante des Coronavirus breitet sich gerade in China und Nachbarländern aus und könnte zu einer weltweiten Pandemie führen.

Das Unterrichtsmaterial nimmt Viren und Bakterien als Krankheitserreger in den Fokus.

Bakterien und Viren Unterrichtsmaterial: Das Coronavirus breitet sich in China und Europa aus. Foto: © Bartolo/stock.adobe.com

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Am 31.12.2019 wurde das WHO-Landesbüro in China darüber informiert, dass es in der Stadt Wuhan, einer Metropole mit 11 Millionen Einwohnern, zu einer Häufung von Lungenentzündungen mit unklarer Ursache gekommen war. Die chinesischen Behörden identifizierten bereits am 7.1.2020 ein neuartiges Coronavirus als Ursache der Erkrankung. Das Virus überträgt sich inzwischen von Mensch zu Mensch. Das Cronoavirus bietet einen aktuellen Zugang zum Themenkontext "Viren und Bakterien" und kann als Unterrichtsmaterial verwendet werden. Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten:  

Eigenschaften von Coronaviren

Coronaviren kommen bei Säugetieren, Vögeln und Fischen vor und verursachen sehr unterschiedliche Erkrankungen. Die Viren sind genetisch hochvariabel und können durch Überwinden der Artengrenzen auch mehrere Wirte infizieren. Ihren Namen haben sie von einer Art „Heiligenschein“ um die Virushülle, die in EM-Aufnahmen sichtbar wird und an die Korona der Sonne erinnert. Die 120-160 nm kleinen Viren besitzen als Genom eine RNA mit positiver Polarität und einer Länge von etwa 30 000 Nukleotiden. Das ist für RNA-Viren ungewöhnlich lang und funktioniert nur, weil die Viren – wie Eukaryoten – über ein Fehlerkorrekturelese-Enzym bei der Replikation verfügen.

Fledermäuse, Schleichkatzen und Wildtiere sind primäre Wirtsorganismen

Eine größere Epidemie mit Coronaviren bei Menschen gab es bisher 2003 in Südostasien mit dem SARS-Coronavirus, das sein Reservoir in Fledermäusen hat und von Schleichkatzen auf den Menschen übertragen wird. In Südchina gelten die Tiere als Delikatesse und werden in Restaurants und Märkten als Nahrungsmittel angeboten. Mehr als 8000 Menschen erkrankten am Schweren Akuten Respiratorischen Syndrom und fast 800 Menschen starben daran.

2012 trat das MERS-Coronavirus (von Middle East Respiratory Syndrome) erstmals auf, das beim Menschen schwere Infektionen der Atemwege, Lungenentzündungen und Nierenversagen verursachen kann. Alle Infektionen hatten ihren Ursprung auf der Arabischen Halbinsel mit Schwerpunkt in Saudi-Arabien. Das Virus wird nur schwer von Mensch zu Mensch übertragen. Die primären Wirtsorganismen sind wahrscheinlich Fledermäuse, von denen es über Dromedare als Zwischenwirte auf Menschen übertragen wird.

Das jetzt aufgetretene Coronavirus mit der vorläufigen Bezeichnung 2019-nCoV wird mit dem Huanan-Fischmarkt in Wuhan (China) in Verbingung gebracht, auf dem auch Wildtiere und deren Fleisch verkauft werden. Unter den Ersterkrankten waren Händler und Verkäufer. Der Markt wurde am 1. Januar 2020 durch die Behörden geschlossen und desinfiziert. Die Zahl der Infizierten erhöhte sich schnell. Ab Mitte Januar wurden auch die ersten Erkrankungsfälle außerhalb Chinas bekannt: in Thailand, Japan und Südkorea. Experten schätzten am 17. Januar 2020 die Zahl der in Wuhan Infizierten auf etwa 1700 Personen.


 

Zum Produkt: Virale Krankheitserreger

Diese Ausgabe schafft einen Überblick über virale Krankheitserreger und vermittelt ein Verständnis über deren Gefährlichkeit, Behandlungsmöglichkeiten und vorbeugende Maßnahmen.


Virale Krankheitserreger

Unterricht Biologie Nr. 430/2017

 


Antivirale Medikamente gegen Coronaviren gibt es nicht 

Infizierte können nur symptomatisch und unterstützend behandelt werden. Umso wichtiger ist der vorbeugende Schutz und die Information der Bevölkerung. Das Temperaturmessen bei Passagieren, wie es in einigen Ländern auf Flughäfen als Vorsichtsmaßnahme praktiziert wird, halten Experten für wenig sinnvoll. Kranke mit Symptomen verzichten eher auf eine Reise. Bei Infizierten in der Inkubationszeit tritt noch kein Fieber auf.

Stellt das Coronavirus aus China eine globale Gefahr da? Die WHO sagt "ja"

Die WHO hat am 22. Januar 2020 eine Expertenkommission einberufen, um darüber zu entscheiden, ob ein internationaler Gesundheitsnotstand (Public Health Emergency of International Concern, PHEIC) ausgerufen werden soll – wie bei der Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika.  Laut WHO handelt es sich bei diesem Notstand um ein Ereignis, das „durch die internationale Verbreitung von Krankheit ein öffentliches Gesundheitsrisiko für andere Staaten darstellt und potenziell eine koordinierte internationale Reaktion erfordert“.

Die Expertenkommission hatte zunächst entschieden, dass der aktuelle Ausbruch des neuen Coronavirus in China keine globale Gefahr darstellt. Dabei ging es allerdings weniger darum, wie gefährlich ein Erreger ist. Vielmehr ist sie eine Warnung an andere Länder, damit diese frühzeitig Vorkehrungen treffen. PHEIC wurde nach der SARS-Epidemie eingeführt. Obwohl damals die ersten Fälle bereits Ende 2002 aufgetreten waren, wurde die WHO durch die chinesische Regierung aber erst im Februar 2003 über die neue Seuche informiert. Dadurch wurde eine rasche internationale Reaktion verhindert. Das derzeitige Verhalten Chinas wird dagegen als vorbildlich gelobt. Inzwischen hat sich die Lage dramatisiert und PHEIV wurde ausgerufen.

Die durch Coronaviren hervorgerufenen Infektionskrankheiten werden zu den Zoonosen gerechnet

Zoonosen sind Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Mehr als die Hälfte aller bekannten Erreger, die Erkrankungen beim Menschen hervorrufen, sind Zoonose-Erreger. Deren Auftreten hat in den letzten 50 Jahren erheblich zugenommen. Vor allem sind neue, bisher nicht bekannte Erreger dazu gekommen. Die neuen Krankheitserreger heißen West-Nil-Virus, Gelbfieber-Virus, Ebola-Virus, Lassa-Fieber-Virus, Hanta-Virus, Dengue-Virus, Rift-Valley-Fieber-Virus, SARS-Coronavirus, MERS-Coronavirus, und Zika-Virus.

Ursachen für die Verbreitung von Zoonose-Erregern

Bevölkerungswachstum, zunehmende Mobilität, Zerstörung von Lebensräumen, industrialisierte Landwirtschaft und intensivierte Nutztierhaltung sind die Faktoren, die das Risiko für eine schnelle und weltweite Ausbreitung von Zoonose-Erregern erhöhen. Deshalb reicht langfristig ein rein gesundheitspolitischer Ansatz zur Bekämfung nicht aus. Beim One-Health-Ansatz der WHO arbeiten daher verschiedene Disziplinen – Humanmedizin, Veterinärmedizin, Umweltwissenschaften – fächerübergreifend zusammen, um der Übertragung von Zoonose-Erregern entgegenzuwirken.

Bakterien und Viren als Unterrichtsmaterial

Viele verschiedene Ausgaben von Unterricht Biologie haben sich den Themen "Viren und Bakterien" gewidmet. Hier finden Sie eine Auswahl von Unterrichtsmaterial:

Welche viralen Krankheitsrreger gibt es? Was macht sie besonders? Wie kann man sich vor einer Infektion schützen?

Virale Krankheitserreger

Bakterien als Krankheitserreger mit besonderen biologisch-medizinischen Eigenschaften

Zelluläre Krankheitserreger

Wie überleben Feldermäuse und Flughunde, wenn sie mit tödlichen Viren infiziert sind?

Flugfieber als Überlebensstrategie

Eine Strategie zur Bekämpfung der Zika-Viren

Evolution im Zeitraffer

Die Ausbreitung des Coronoavirus mathematisch modellieren

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