KolumneMach mal Pause!

Seit Eckart von Hirschhausen damit 10 kg abgenommen hat, gibt es fast kein Boulevard-Blatt, das nicht darüber berichtete. Die schnell mal zur „Hirschhausen-Diät“ mutierte Methode heißt wissenschaftlich Intervallfasten oder Intermittierendes Fasten. Sie kommt ursprünglich aus der Tierforschung, wird aber neuerdings auch für Menschen propagiert. Was ist dran am neuen Hype?

Leerer Teller auf einem Tisch

Schlank und gesund durch Intervallfasten? © kosmos111/stock.adobe.com

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Fasten hat eine lange Tradition

Religiös motiviertes Fasten soll vor allem der Besinnung und inneren Einkehr dienen. Beim Heilfasten (z.B. nach Buchinger) spielt die körperliche Entlastung, Reinigung und „Entschlackung“ die größere Rolle. In beiden Fällen wird für Tage oder Wochen gänzlich auf feste Nahrung und Genussmittel verzichtet. Intervallfasten ist dagegen so etwas wie die Light-Version des Fastens: Bei der 16:8-Variante wird nur für 16 Stunden auf feste Nahrung und kalorienreiche Getränke verzichtet. Eine Stufe anspruchsvoller ist die 5:2-Variante mit zwei Fastentagen pro Woche. Bei der Hardcore-Variante wird abwechselnd an einem Tag gefastet und am nächsten Tag gegessen (Alternate-Day-Fasting, ADF).

Segensreiche Unterbrechungen

Intervallfasten hat einige Vorteile: Es ist für fast jeden geeignet (im Zweifel fragt man den Arzt oder Apotheker). Es gibt keine zeitliche Begrenzung, d.h. es lässt sich ein Leben lang durchführen. Und es scheint eine hohe Akzeptanz zu besitzen. Es ist einfach durchzuführen, denn man muss keine Diätpläne einhalten und nicht nach neuen Rezepten kochen. Und es lässt sich leicht in den Tagesablauf integrieren.
Die propagierten gesundheitlichen Vorteile stehen noch auf etwas wackligen Füssen, da die meisten Studien an Tieren durchgeführt wurden. Die Aussichten sind aber für Menschen nicht schlecht: Übergewicht wird reduziert und Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck werden positiv beeinflusst. In den Tierstudien gab es aber auch Verbesserungen bei Rheuma, Multipler Sklerose, chronischen Schmerzen, Demenz, Parkinson und Krebs. Sogar das Altern wurde verlangsamt.

Kuriose Wirkungsmechanismen

Über die molekularen Mechanismen von Intervallfasten wurde bisher nur wenig geforscht. Zwei interessante Befunde aus Tierstudien belegen eher ungewöhnliche Wege. Zum einen wurde entdeckt, dass durch Intervallfasten weiße Fettzellen in beige Fettzellen umgewandelt werden. Beige Fettzellen besitzen im Gegensatz zu weißen Fettzellen Mitochondrien und exprimieren Entkopplungsproteine, die dafür sorgen, dass in den Mitochondrien kein ATP, sondern Wärme produziert wird. Zum anderen wird durch Intervallfasten in allen Zellen ein Prozess angestossen, der als Autophagie bezeichnet wird. Es handelt sich um eine Phagocytose im Zellinneren, durch die Zellbestandteile abgebaut und verwertet werden, z.B. fehlgefaltete Proteine oder ganze Zellorganellen.

Evolutionäres Erbe

Intervallfasten wurde zwar erst in jüngster Zeit sehr beliebt, aber eigentlich ist es uralt. Unsere Vorfahren, die Hunderttausende von Jahren als Jäger und Sammler lebten, hatten keinen kontinuierlichen Zugang zu Nahrungsmitteln. Stattdessen waren kürzere und längere Pausen ohne Nahrung die Regel. Und unser Stoffwechsel ist an diesen Wechsel angepasst. Wir speichern Glukose in Form von Glycogen für die kurzfristige und Fett im Fettgewebe für die langfristige Überbrückung von Nahrungsmangel. Die heutzutage üblichen drei Hauptmahlzeiten plus Zwischensnacks führen jedenfalls bei vielen Menschen zu Übergewicht und den damit verbundenen Krankheitsrisiken.

Bedenken

Kompensieren die Intervall-Faster ihr Kaloriendefizit nicht einfach an den Tagen, an denen sie essen? Die Studien, die es dazu gibt, sagen: jein. Es wird schon ein bisschen mehr gegessen als sonst, aber nur etwa 10-15 Prozent der eingesparten Kalorien.

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