Parasitische BlütenpflanzenMisteln – Heilsbringer oder Schädlinge?

Der Druide Miraculix nutzt sie zur Herstellung des Zaubertranks, in der alternativen Krebstherapie werden sie in Form von Präparaten eingesetzt und in der Adventszeit schmücken sie so manches Haus: die Misteln. Mittlerweile findet man die Halbschmarotzer so zahlreich auf Bäumen, dass sie schon als Schädlinge bezeichnet werden. Wie konnte es dazu kommen?

Mistel (Viscum album)

In Streuobstbeständen hat sich die Mistel in den letzten Jahren massiv ausgebreitet. Foto: Hans, pixabay.com, CC0 Creative Commens

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Weltweit werden über 1000 Pflanzenarten als Misteln bezeichnet

In Deutschland wächst ausschließlich die Weißbeerige Mistel mit den Unterarten Tannen-, Kiefern- und Laubholz-Mistel. Die weiteste Verbreitung hat die Laubholz-Mistel, die vor allem an Apfelbäumen auf Streuobstwiesen zu finden ist. Waldbäume wie Buchen und Eichen werden gar nicht besiedelt.

Misteln sind halbparasitische, epiphytische Sträucher

Die immergrünen, zur Photosynthese fähigen Pflanzen besiedeln die jungen Äste von Wirtsbäumen und treiben ihre zu Senkern (Haustorien) umgewandelten Wurzeln in deren Xylem, um sich mit Wasser und Mineralstoffen zu versorgen. Ihre derben Blätter stellen zwar einen hervorragenden Verdunstungsschutz da, trotzdem ist die Transpirationsrate von Misteln höher als die der Blätter der Wirtspflanzen. Misteln werden daher auch schon mal als „ungebetene Säufer“ bezeichnet.

Vögel spielen bei der Verbreitung von Misteln eine entscheidene Rolle

Etwa ab dem fünften Jahr beginnen Misteln zu blühen. Die unscheinbaren, gelbgrünen Blüten bilden sich im Frühjahr an den Sprossspitzen. Die Bestäubung der zweihäusigen Blüten erfolgt durch Insekten. Die Samen- und Beerenbildung dauert bis in den Herbst. Wenn die Laubbäume, auf denen die Mistel siedeln, ihre Blätter abgeworfen haben, sind die Mistelbüsche erst richtig gut sichtbar – vor allem für Vögel.

Für die Verbreitung der Misteln spielen bestimmte Vogelarten eine entscheidende Rolle – allen voran die Misteldrossel, wie der Name unschwer verrät. Früchte und Samen der Misteln gehören zur Winternahrung vieler Vogelarten. Durch den Verzehr der Beeren werden die Samen verbreitet – entweder durch Ausscheidung, wenn ganze Früchte verzehrt werden, oder durch Abstreifen der Samen vom Schnabel, wenn nur das Fruchtfleisch verzehrt wird (wie z.B. die Mönchsgrasmücke).

Mistelsamen sind von einem klebrigen Schleim überzogen (der botanische Name der Weißbeerigen Mistel ist Viscum album von lat. viscum = Leim), mit dessen Hilfe sie gut an der Baumrinde haften. Mit den steigenden Temperaturen im Frühjahr beginnt die Keimung. Der Keimling verhält sich negativ phototrop und wächst nicht zum Licht, sondern zur dunklen Baumrinde und wächst innerhalb von mehreren Wochen in sie ein. Ob daraus schließlich eine Mistelpflanze wird oder nicht, hängt davon ab, ob der Senker von neu gebildetem Wirtsholz umschlossen wird oder nicht. Deshalb ist die Etablierung eines Mistelbusches an Bäumen mit reduzierter Vitalität (z.B. bei extermer Trockenheit) besonders erfolgreich.

In den letzten Jahren gibt es immer mehr Misteln

In Streuobstbeständen hat sich die Mistel in den letzten Jahren vor allem in Mittel- und Süddeutschland massiv ausgebreitet. Dafür werden hauptsächlich  Klimaveränderungen verantwortlich gemacht, die die Vitalität der Bäume beeinträchtigen, aber auch das Zugverhalten der Vögel verändern und viele Arten keine Winterquartiere mehr aufsuchen. Eine zu hohe Misteldichte mindert die Vitalität der Bäume zusätzlich und vergrößert die Gefahr des Absterbens. Deshalb wird geraten, Misteln regelmäßig von den Apfelbäumen zu entfernen.

Laut BUND stehen Misteln – entgegen landläufiger Meinung – nicht unter Naturschutz. Sie dürfen also für den privaten Bedarf gesammelt werden. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass die Wirtsbäume nicht beschädigt werden. Wer größere Mengen an Misteln sammeln möchte, um sie beispielsweise zu verkaufen oder weiterzuverarbeiten, braucht dafür eine behördliche Genehmigung.

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